In Haiti leben und arbeiten derzeit bis zu 300 000 Mädchen und Jungen unter ausbeuterischen Bedingungen in fremden Familien. Bereits vor dem Beben hat die Kindernothilfe Schutz und Bildung von rund 450 Restavèk-Kindern gefördert. Nach dem Beben hat sich ihre Situation noch verschlimmert. Fern von ihrer Familie haben die meisten Restavèk-Kinder das Erdbeben überlebt. Ihre leiblichen Eltern haben sie oftmals in die Stadt geschickt, um dort zu arbeiten, wo sie in sogenannten Gastfamilien ausgebeutet werden.
Sie sind nach dem Beben vom 12. Januar mehr denn je auf sich allein gestellt. „Die Situation für die Restavèk-Kinder hat sich noch verschlimmert und unser Projekt ist nötiger denn je," berichtet Jürgen Schübelin, Haiti-Koordinator der Kindernothilfe. Eine belgische Ordensschwester kümmert sich gemeinsam mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen um diese traumatisierten Kinder und sorgt dafür, dass sie zur Schule gehen und neue Hoffnung schöpfen können.
Haiti zählt zu den ärmsten Staaten weltweit. Zwei Drittel der Menschen müssen von weniger als zwei Dollar pro Tag leben. Die Gesundheitsversorgung ist schlecht. Pro Jahr sterben 25.000 Kinder unter fünf Jahren an Magen- und Darmkrankheiten. schreiben, nur die Hälfte aller Kinder besucht eine Grundschule.
In der Hauptstadt Port-au-Prince herrschte noch bis Mitte 2007 der Ausnahmezustand: Entführungen, Bandenkämpfe mit Schießereien, Raubüberfälle und Drogenkriminalität machten den Alltag der Menschen vor allem in den Bidonvilles, den Armenvierteln, zur Hölle. Durch das schlimme Erdbeben im Januar 2010 hat sich die Lage noch verschlimmert und die Stadt ist eine Gefahrenzone für viele Bewohner.
Als Restavèk bezeichnet man in Haiti Kinder, die in Haushalten anderer Familien unter ausbeuterischen, sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten. Arme Familien, die meist auf dem Land leben, geben ihre Kinder, für deren Unterhalt sie nicht aufkommen können, an Verwandte oder Gastfamilien in die Stadt. Die Eltern vertrauen häufig darauf, dass die Kinder leichte Arbeiten im Haushalt verrichten und dafür Nahrung, Unterkunft und Schulbildung bekommen. In der Realität werden jedoch viele Restavèk ausgebeutet und misshandelt, und das Versprechen einer guten Schulbildung, das den Eltern häufig gemacht wird, stellt sich oft als falsch heraus. Die meisten Restavèk werden von ihren Arbeitgebern schamlos ausgebeutet.
Trotz vorgegebener Gesetzgebung muss jedes fünfte Kind unter 14 arbeiten. „Eine vorbildliche Gesetzgebung ist nichts wert, wenn sich niemand um deren Einhaltung kümmert", so Jürgen Schübelin, Haiti-Koordinator der Kindernothilfe. „In den Armenvierteln von Port-au-Prince ist es an der Tagesordnung, die Restavèk-Kinder zu schlagen, sie bis zu 16 Stunden am Tag schuften zu lassen. In der Regel dürfen die Kinder keine Schule besuchen. Die sogenannten Gastfamilien müssen hingegen keine Angst davor haben, für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen zu werden", berichtet Schübelin weiter. Die Kinder werden geschlagen, oft auch missbraucht. Etwa die Hälfte der Mädchen, schätzen Experten, wird vergewaltigt. Auch deshalb ist die Aids-Infektionsrate in Haiti so hoch: Jeder zwanzigste Einwohner des Landes ist HIV-positiv. Restavèk-Kinder erhalten kein Geld, sie gehen nicht zur Schule und, wenn sie krank werden, auch nicht zum Arzt oder in den Gesundheitsposten.

Foto: Kindernothilfe
Die Situation seit dem Erdbeben am 12.01.2010 ist nach Einschätzung der Kindernothilfe noch schlechter als vorher. Wurden die Restavèk-Kinder schon vor der Katastrophe ausgebeutet, befinden sich die Familien, für die sie arbeiten, derzeit noch weniger in der Situation, sich um sie zu kümmern. Die Familien sind entweder durch das Erdbeben ums Leben gekommen oder kümmern sich derzeit um die eigene Existenz. Die Folge: Viele der Restavèk sind jetzt komplett auf sich alleine gestellt. Noch mehr als vor dem Beben sind sie von gewalttätigen Übergriffen oder Kinderhandel gefährdet.
Seit dem Erdbeben unterstützt die Kindernothilfe die Partnerorganisation Mouvman Vin Plic Moun (MVM), die bereits seit über 10 Jahren mit Restavèk arbeitet. Derzeit können 1.800 Kinder erreicht werden. Ein großer Stellenwert kommt dabei der Bildung der Mäd-chen und Jungen zu, indem entweder informelle Bildungsangebote zur Verfügung gestellt werden, die die Restavèk nah an ihrem Wohnort in Anspruch nehmen können oder aber Kontakte zu Schulen und anderen Institutionen geknüpft werden. Darüber hinaus zeigen die Mitarbeiter/innen Präsenz auf den Märkten und sensibilisieren dort für die Bedürfnisse der Restavèk. Dies hat zur Folge, dass zum einen mehr Restavèk die Erlaubnis bekommen, an schulischen Aktivitäten teilzunehmen. Zum anderen wird die Restavèk-Problematik in der Gesellschaft thematisiert und hinterfragt.
Der Landeskoordinator der Kindernothilfe in Haiti, Alinx Jean Baptiste, kennt die Partnerorganisation und befürwortet eine längerfristige Zusammenarbeit: „Eine bessere Arbeit mit Restavèk-Kindern im Sinne von Kindernothilfe gibt es in ganz Haiti nicht''.
Spendenkonto der Kindernothilfe in Luxemburg
Comptes Chèques Postaux Luxembourg
IBAN LU73 1111 0261 4249 0000
BIC: CCPLLULL
Verwendungszweck: Z 4912
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