
Foto: Ralf Krämer
Rund um den äthiopischen Ort Dolo Ado und das dortige Flüchtlingslager sind rund 100.000 Nomaden beheimatet. Auch sie sind stark von der Dürre betroffen - doch von der Hilfe, die beim Flüchtlingslager ankommt, haben sie wenig. Ketema Kinfe vom Kindernothilfe-Partner IAS erklärt, weshalb - und wie er mit der Kindernothilfe den Nomaden von Dolo Ado hilft.
Herr Kinfe, wir erfahren in der Öffentlichkeit viel über das Flüchtlingslager bei Dolo Ado, aber wenig über die Menschen, die in der Region beheimatet sind. Wie sieht es dort aus?
Auch dort sind viele Menschen vom Hungertod bedroht. Denn auch diese Region an der äthiopisch-somalischen Grenze hat schon viel zu lange viel zu wenig Regen gesehen. Rund 100.000 Menschen sind dort beheimatet und ziehen als Nomaden umher. Von der internationalen Hilfe, die in Dolo Ado ankommt, haben sie leider sehr wenig.
Weshalb?
Weil der allergrößte Teil nur für das Flüchtlingslager bestimmt ist, das rund 80 Kilometer von der Stadt entfernt liegt. Und zu diesem haben die dort beheimateten Nomaden keinen Zugang.
Wie kommt das?
Jeder, der dort aufgenommen werden will, muss für die Registrierung nachweisen, dass er ein Flüchtling ist - und in diesem Falle also aus Somalia kommt und auf Hilfe angewiesen ist. Und das können die Nomaden von Dolo Ado leider nicht. Für sie ist das besonders bitter, da sie auf beiden Seiten der Grenze umherziehen und Staatszugehörigkeit für sie nicht relevant ist - einen Pass haben sie nicht.
Wie entscheiden die Registrierungsbehörden denn dann über eine Aufnahme ins Lager?
Oftmals über die Stammeszugehörigkeit. Sie wissen, welche Ethnie in welcher Region beheimatet ist. Und nur die Flüchtlinge, die klar aus somalischen Gebieten kommen, werden aufgenommen.
Wie helfen Sie den Menschen in und um Dolo Ado?
Wir versorgen seit August unter anderem 15.000 unterernährte Kinder mit Aufbaunahrung. So konnten wir dazu beitragen, das die horrende Kindersterblichkeitsrate mittlerweile wieder gesunken ist. Vor zwei Monaten starben in der Region täglich 10 von 10.000 Kindern. Nun ist es noch ein Kind am Tag - also immer noch eines zu viel.
Wie können Sie die Nomaden überhaupt erreichen?
Mitarbeiter von uns suchen die Familien auf und finden heraus, welche von ihnen am dringendsten Hilfe benötigen. Diese kommen dann nach Dolo Ado, wo wir regelmäßig zentrale Verteilungen durchführen. Dort bekommen sie neben der Aufbaunahrung auch die nötigen Utensilien zur Zubereitung wie etwa Kochgeschirr.
Wie sehen die Perspektiven für die Nomaden von Dolo Ado aus?
Auch für diese Region sind weiterhin nur geringe Niederschläge prognostiziert, so dass eine Entspannung der Lage noch nicht in Sicht ist. Durch die Vernetzung mit weiteren Hilfsorganisationen, die auch außerhalb des Lagers arbeiten, werden wir aber die Hilfe für die Menschen noch weiter ausbauen.
Das Interview führte Kindernothilfe-Redakteur Bastian Strauch
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