Der Selbsthilfegruppen-Ansatz ist ein sehr erfolgreiches Instrument zur nachhaltigen Armutsbekämpfung. Mit ihm werden die Ärmsten der Armen, in der Mehrzahl Frauen, sozial, wirtschaftlich und politisch gestärkt, um mit ihren Kindern ein Leben in Würde innerhalb der Gesellschaft führen zu können. Die Arbeit mit und in den Gruppen setzt erstaunliche Prozesse in Gang. Erstaunlich deshalb, weil sie von den Ärmsten der Armen selbst getragen werden.

Foto: Kindernothilfe
Denn im Gegensatz zu vielen anderen Entwicklungshilfeansätzen gibt es für die Gruppenmitglieder keine materiellen Hilfen, sie sind keine Almosenempfänger, sondern durch viele Schulungen und die gegenseitige Unterstützung der Gruppenmitglieder werden sie befähigt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Armut stellt nicht nur einen Mangel an materiellen Gütern dar, sondern spiegelt vor allem auch einen kontinuierlichen Prozess von Ohnmacht wieder. Zu dieser Machtlosigkeit gehören der Entzug von Rechten und Möglichkeiten, Isolierung, Diskriminierung und soziale Abgrenzung der Schwächsten. Daher kann Armut nicht beseitigt werden, indem allein die materiellen Bedürfnisse von Menschen (z.B. durch einmalige Hilfs-leistungen) befriedigt werden, sondern nur, indem auch die Ursachen von Armut angegangen werden. Der Selbsthilfegruppen-Ansatz befähigt die Menschen selbst dazu. So wird langfristige Entwicklung möglich.
Der Selbsthilfegruppen-Ansatz geht davon aus, dass jeder Mensch Stärken und Fähigkeiten hat. Die Schaffung eines positiven Umfelds bringt diese zur Entfaltung und ermöglicht ein Leben in Würde. Die Ärmsten der Armen können zu aktiven Mitwirkenden ihrer Gemeinschaft werden und sind nicht mehr passive Empfänger von Almosen. Sie, die als Einzelpersonen kaum eine Stimme haben und sich machtlos und verletzlich fühlen, können in den Selbsthilfegruppen (SHGs) enorme Stärken entwickeln.
Die Gruppen bestehen zum größten Teil aus Frauen. Man hat festgestellt, dass für Frauen die Verantwortung für ihre Familien und besonders die Kinder Priorität hat. Kleinkredite werden von ihnen daher ausschließlich für die Verbesserung der Familiensituation verwendet und nicht für den persönlichen Konsum. Was die Frauen in den Gruppen über Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Konfliktlösung, Wertschätzung von Schulbildung, die Wahrung von Kinderrechten und anderes lernen, kommt ihren Kindern unmittelbar zugute. Die Mitglieder der Selbsthilfegruppen werden im Laufe der Zeit zu respektierten Mitgliedern ihrer Dorfgemeinschaft.
1. Phase/Einführungsphase:
Gründung der ersten Selbsthilfegruppen und ihre Begleitung
2. Phase/Expansionsphase:
Gründung von vielen Gruppen und der nächst übergeordneten Gruppen, den Cluster Level Associations
3. Phase/Konsolidierungsphase:
Gründung einer übergeordneten Förderation und Rückzug der Organisation, die den Aufbau der Gruppen betreut hat.
Kindernothilfe Haiti unterstützt seit Februar 2011 den Selbsthilfegruppen-Ansatz im Rahmen eines groß angelegten Programms. Heute werden bereits mehr als 1600 Frauen und ihre Kinder gefördert.
Alles, was die Frauen in den Gruppen lernen, wirkt sich unmittelbar positiv auf das Leben ihrer Kinder aus. Sie gehen zur Schule, werden besser ernährt und sind gesünder. Sie wachsen in einem friedlichen Umfeld auf. Gerade die positiven Fortschritte für alle Kinder der Selbsthilfegruppen-Mitglieder hat Kindernothilfe Luxembourg überzeugt, diesen Ansatz verstärkt zu fördern.